Skip to content

Korb Jenny

Sängerin

Opernsängerin (hochdramatischer Sopran)

Geb. 30.10.1869 in Wien

Gest. 4.11.1937 in Wien

Jenny Korb – eigentlich Eugenia Josephina Veronika Theresia Korb – wurde am 30. Oktober 1869 in Wien als drittes Kind des aus Böhmen stammenden, wohlhabenden Adolph Felix Julius Korb (1837-1891), Fabrikinhaber sowie Hauseigentümer in der

Inneren Stadt , der

Josephstadt und in

Dornbach und der Amalia Anna Hoffstätter (1845-1928), Tochter des Juweliers Joseph Hoffstätter – in damaligen Zeitungsartikeln als eine der schönsten Frauen Wiens bezeichnet – geboren.

Durch Verschlechterung der Wirtschaftslage zu Ende der 1860er Jahre und den Verlust seiner Position sah sich Adolph Korb gezwungen, Liegenschaften zu veräußern und mit dem Erlös 1875 ein Café in der

Josephstadt

(Ecke Florianigasse-Rathausstraße) zu eröffnen, das bald florierte. 1890 etablierte sich das Ehepaar Korb als „Kaffeesieder“ in der

Inneren Stadt

(Tuchlauben 11). Kurz darauf stirbt Adolph Korb unerwartet, und Jennys Mutter führt das Café allein weiter.

Als 1904 Architekt Julius Mayreder gegenüber (Brandstätte 9) ein neues Gebäude in historistischem Stilmix errichtet, ergreift Amalie Korb die Chance, das Café Korb an die noble Adresse zu übersiedeln.

Jenny Korb war im Herbst 1883 am

Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde

(heute Universität für Musik und darstellende Kunst Wien) aufgenommen worden, an dem sie bei dem bestrenommierten Pianisten und Musikpädagogen

Josef Dachs

(1825–1896) zur Pianistin ausgebildet wurde. Dachs beurteilte Jenny Korb bereits bei ihrem Studienantritt in der Studenten-Matrikel „als sehr gute Schülerin“. Als Nebenfächer belegte Korb – abgesehen von theoretischen Fächern –

Kammermusik, Orchestermusik, Chorschule und

Chorübungen . Nach sechs Semestern absolvierte Jenny Korb ihre Diplomprüfung vor der Jury (Dir.

Joseph Hellmesberger sen.,

Ludwig Bösendorfer u. a.) mit der Suite in d-Moll für Soloklavier Op. 91 von

Joachim Raff mit Auszeichnung und Zuerkennung der Gesellschaftsmedaille.

Bereits während ihrer Studienzeit war man bei den Chorübungen auf die außergewöhnliche Stimme Jenny Korbs aufmerksam geworden und man empfahl ihr, ein Gesangsstudium anzuschließen. So wurde sie im Wintersemester 1886/87 in den 2. Jahrgang der Gesangsklasse von Prof.

Johannes Ress

(1839–1916) aufgenommen. Die dabei obligaten Nebenfächer wie

Mimik, Tanz, Turnen, Fechten und italienische Sprache zielten auf die Erfordernisse einer späteren Karriere im „modernen“ Opernbetrieb ab. Nach Beendigung dieser Studien am Konservatorium im Sommersemester 1891 setzte sie privat ihre Ausbildung bei Gesangspädagogin

Emma Götzl

(1863–1940) fort, die später durch ihr Standardwerk

Die Aussprache des Deutschen im Gesang großen Bekanntheitsgrad erlangte.

Ihr erstes Bühnen-Engagement erhielt Jenny Korb für die Saison 1894/95 an das Neue königliche Hoftheater in Wiesbaden mit der Rolle der

Elisabeth in „Tannhäuser”. Nach zwei weiteren Gastauftritten wird Jenny Korb für drei Jahre mit Bühnenvertrag zur „königlichen Opernsängerin” bestellt. Bald darauf streut ihr die Kritik Rosen: „

Eine junge Wiener Sängerin, Fräulein Jenny Korb, hat in ihrem ersten (sic!) Bühnenengagement, am Hoftheater Wiesbaden, namhafte Erfolge aufzuweisen. Sie trat dort unter Anderem als Valentine in den „Hugenotten“ und „Aida“ auf. Die Kritik hebt die ungewöhnlich schöne Stimme und tüchtige Gesangsausbildung der Dame hervor und prophezeit ihr eine bedeutende Zukunft.“

Bereits in ihrer ersten Saison wird sie in „Don Giovanni” als

Donna Anna , in der „Zauberflöte” als

Erste Dame, in der „Walküre” als

Helmwige , im „Fliegenden Holländer” als

Senta und und in der „Cavalleria rusticana” als

Santuzza besetzt. Es folgen u. a.

Mercedes in „Carmen”,

Waldvogel in der „Götterdämmerung” und

Brünnhilde in „Rheingold”.

Während ihrer Wiesbadener Zeit wird Korb aber auch wiederholt an andere deutsche Häuser zu mehrtägigen Gastspielen eingeladen, so z. B. an das Stadttheater Mainz (als

Siegl inde in „Siegfried”, als

Senta im

„Fliegenden Holländer„, als

Elisabeth in „Tannhäuser” sowie als

Valentine in den „Hugenotten”) oder an das Stadttheater Köln (als

Aida , als

Donna Anna in „Don Giovanni”, in der

Titelpartie von „Norma” oder als

Gräfin in „Figaros Hochzeit”.

1898 wird Jenny Korb am Wiener k. und k. Hofoperntheater, dessen Leitung damals seit einem Jahr in den Händen Gustav Mahlers liegt, erstmals – am 15. August 1898 – als

Elsa von Brabant in Lohengrin – als Gast engagiert. Zwei Tage nach diesem Auftritt singt sie unter Gustav Mahler die

Titelpartie von Aida, es folgen1899

Berthe in Der Prophet,

Elisabeth in Tannhäuser, unter Hans Richter

Helmwige in Die Walküre, nochmals

Berthe in Der Prophet und ebenfalls unter Hans Richter

Senta in Der fliegende Holländer.

Hierauf wird Jenny Korb von der Direktion Gustav Mahler ab 1. Jänner 1900 für drei Jahre an das Haus am Ring unter Vertrag genommen, in denen sie in den Opern Der Prophet als

Berthe , Carmen als

Mercedes , Cavalleria rusticana als

Elisabeth , Der Bärenhäuter als

Lene , Lohengrin als

Elsa von Brabant , Das Rheingold als

Woglinde , Das Heimchen am Herd als

May , Aida in der Titelpartie und Der fliegende Holländer als

Senta unter vorgenannten Dirigenten wie auch unter Josef Hellmesberger jun., Franz Schalk und Bruno Walter – mit prominenten Partnern wie Leo Slezak und Theodor Reichmann oder Kolleginnen wie Anna Bahr-Mildenburg und Marie Gutheil-Schoder – 24 Abende durchwegs mit besten Kritiken bestreitet.

Für die Saison 1902/3 bis 1903/4 wird Jenny Korb als 1. Sopran an der Leipziger Oper (damals das „Neue Theater“) verpflichtet, in der sie u. a. in Das Rheingold als

Woglinde , in Der Evangelimann als

Marthe , in Ein Maskenball als

Amalie , in Die Eroberung von Troja als

Kassandra , in Die Hochzeit des Figaro als

Gräfin und in Don Juan als

Donna Anna besonders reüssiert.

Gleichzeitig ist Jenny Korb an die Dresdner Hofoper als 1. Sopran für zwei Jahre engagiert.,

1904 ist sie an einer Reihe von deutschen Opernhäusern zu Gast (z. B. am Opernhaus Hannover in Der Freischütz als

Agathe , an der Berliner Hofoper als

Aida , in Köln nach Jahren wieder als

Aida und als

Valentine in Die Hugenotten).

Wie schon 1902 erhält Korb für die Saison 1905 /06 neuerlich eine Einladung an das Stadttheater Graz für mehrere Gastauftritte (als

Senta / „Der fliegende Holländer”,

Donna Anna / „Don Giovanni”,

Leonore / „Troubadour”. Diesen Abenden folgt ein fünfjähriges Gastengagement an das Grazer Haus. Bereits in den ersten vier Monaten stellt sie sich dem Grazer Publikum an über 20 Abenden in weiteren zehn Rollen vor z. B. „Die Walküre” /

Brünnhilde, „Aida” /

Titelpartie , „Tristan und

Isolde” / Isolde, „Fidelio” /

Leonore, „Die Hugenotten” /

Valentine

(übrigens an dem Abend, an welchem ihrem Bühnenpartner Leo Slezak in der Rolle des

Raoul de

Nangis am Ende der Vorstellung auf der Bühne die Ernennungsurkunde zum k. und k. Kammersänger überreicht wird)

– „Tannhäuser” /

Venus, „Die Jüdin” /

Recha, „Lohengrin” /

Ortru d).

In ihrer ersten Grazer Zeit logiert Jenny Korb im noblen Hotel Steirerhof am Jakominiplatz,

„Wo sich Könige, Schauspieler und die Prominenz ein Stelldichein gaben

– und im Hinterzimmer Politik gemacht wurde

“, wie eine Zeitung schreibt…

Von Jahresbeginn 1906 bis Mai ist Korb an mehr als zwei Dutzend Abenden

– jeweils bei besten Rezensionen – in großen Opernpartien von Wagner, Fischhof, Verdi, Mascagni, Mozart, Weber und Gounod (als

Brünnhilde / „Die Walküre”, als

Ingeborg / „Der Bergkönig”, in der

Titelpartie von „Aida”, als

Santuzza / „Cavalleria rusticana”, als

Erste Dame / „Zauberflöte”, als

Gräfin / „Die Hochzeit des Figaro”, als

Rezia / „Oberon” und als

Julia / „Romeo und Julia”) zu hören. Es ist erstaunlich, dass sie in diesen intensiven Monaten „nebenbei” die extreme Partie von Richard Strauss’ Salome erarbeitet und dabei z. B. auch in sakralen Konzerten – wie im vielbeachteten Kirchenkonzert des Deutschen evangelischen Gesangsvereins in der Evangelischen Hauptkirche am 25. März als Solistin der Bach-Motetten – auf dem Programm aufscheint.

Am 16. Mai 1906 schreibt Jenny Korb als „Salome“ in der österreichischen Erstaufführung der Oper unter der Stabführung von Richard Strauss Musikgeschichte:

Zu diesem Ereignis waren Gustav und Alma Mahler, Johann Strauß‘s Witwe Adele, Arnold Schönberg, Alban Berg, Anton von Webern und Alexander von Zemlinsky aber auch Peter Rosegger sowie Giacomo Puccini nach Graz gepilgert, von wo aus das Werk seinen internationalen Siegeszug antreten sollte. Jenny Korb wird von der Kritik nicht nur für ihre stimmliche und darstellerische Leistung, sondern auch für ihren bemerkenswerten

Tanz der sieben Schleie r, (bei dem in den folgenden Jahrzehnten die Sängerinnen oft von einer Ballerina gedoubelt werden mussten) gefeiert. Gerade nach dem Tanz, den Richard Strauss als

„Kernpunkt der Handlun g“ sieht,

„folgt die grausige Schlussapotheos e“, die das Publikum mit anhaltenden Ovationen bei 20 Vorhängen honorier t.

Präziser geht auf die Darbietung Jenny Korbs eine

Analyse von MusikwissenschafterInnen der Rezeption von Strauss‘ Salome

(„Skandalöse Affaire“) ein, in der es heißt:

„Nach flotten 80 Minuten fand die bezaubernde Salome, verkörpert von der grazilen Jenny Korb, die auch selbst tanzte, ihr unrühmliches End e. Jede der folgenden Vorstellungen war ausverkauft“.

Auch an den weiteren fünf Abenden erntet das Werk mit Jenny Korb in der Titelrolle unvermindert enthusiastischen Applaus.

Jenny Korbs Repertoire der knappen fünf Grazer Jahre (Herbst 1905 bis Mai 1910) liest sich wie einem

Opernführer über drei Jahrhunderte entnommen: In nicht weniger als 50 Hauptrollen

– zum Teil in (österreichischen oder Grazer) Erstaufführungen – steht sie etwa 300 Mal auf der Bühne (Siehe Anhang). Dabei wird sie in dieser Zeit immer wieder für Gastauftritte engagiert, so z. B. 1907 als

Salome im Gastspiel des Breslauer Stadttheaters am Deutschen Volkstheater in Wien, gefolgt von Auftritten an der Wiener Volksoper (Tosca, Troubadour).

Mittlerweile scheint Jenny Korb Ende Dezember 1907 als Mieterin einer Wohnung in der Grazer Leonhardstraße 8 auf, von der sie im August 1908 in die Mandellstraße 7 umzieht.

Von Direktor Felix Weingartner wird sie in der Saison 1908/09 neuerlich vertraglich für 20 Abende am Wiener k. und k. Hofoperntheater u. a. als Partnerin von Leo Slezak (Aida) und Richard Mayr (Die Hugenotten, Der fliegende Holländer) oder Erik Schmedes (Siegfried) verpflichtet. Auch am Hoftheater Stuttgart als

Brünnhilde in Siegfried oder am Hoftheater Weimar feiert man sie 1909 bei Gastauftritten.

Doch am Grazer Haus ist Jenny Korb weiterhin mehr als gefordert: Allein in fünf Wochen (5. März bis Mitte April) ist sie an 10 Abenden wiederholt als

Martha

(Tiefland),

Desdemona

(Othello),

Brünnhilde

(Walküre und Siegfried!) und als

Venus

(Tannhäuser) zu hören, dies bei gleichzeitigem Studium der Titelpartie und bei Proben für die Grazer Erstaufführung von Richard Strauss‘ Elektra. Am 12. Mai 1909 geht unter der Stabführung von Kapellmeister Rudolf Groß – kurz nach der Wiener Erstaufführung – das wohl gegenüber der

Salome noch härtere, herbere, dissonantere Opus mit seinen polytonalen Passagen und gewaltigen, granitartigen Klangblöcken über die Bühne, das stilistisch eine Art Endpunkt in Richard Strauss‘ Schaffen darstellt. Rückblickend auf sein Schaffen äußert sich Richard Strauss in seinen

„Erinnerungen“ zu Salome und Elektra wie folgt:

„Beide Opern stehen in meinem Lebenswerk vereinzelt da: ich bin in ihnen bis an die äußersten Grenzen der Harmonik, psychischer Polyphonie (Klytämnestras Traum) und Aufnahmefähigkeit heutiger Ohren gegangen.“

Erntete die Dresdner Uraufführung am 29. Jänner 1909 sehr „gedämpfte“ Kritiken, die von „Achtungserfolg“ bis „Durchfall“ reichen, so werden viereinhalb Monate danach sowohl die Premiere als auch die vier weiteren Aufführungen in Graz zum umjubelten Ereignis der Saison . Über Jenny Korbs Leistung heißt es im Grazer Volksblatt am Tag nach der Premie re: „ … Jenny Korb, die schon als Salome eine Stimmkraftprobe bestand, hatte als Elektra noch gewaltigeres zu leisten. War Jenny Korb auch nicht Elektra, die nur noch „der Leichnam ihrer selbst ist“, deren Arme verdorrt sind, so war sie in Stimme und Spiel glänzend für die Rolle disponiert. All das Wilde, Tierische, das Geifernde, Lauernde, all das teilte sie ihrer Elektra mit. Und wenn sie schreit: „Triff noch einmal! …“, mit gellender, wahnsinniger Stimme, da laufen einem die Schauer den Rücken hinab: “ Ähnlich liest sich die Rezension der Leistung Jenny Korbs im „Grazer Brief“ des Musikalischen Wochenblatts (Leipzig, 24. Juni 1909) [… ] Jenny Korb bot (wie seinerzeit als Salome) als Elektra eine schlechterdings überwältigende Leistung, die sowohl darstellerisch wie stimmlich allen Anforderungen bis zum letzten Takte in idealer Weise gerecht wur de. [… ] Für die ersten 3 Vorstellungen ist das Theater schon seit Wochen ausverkauft. Der große Beifall nach der Premiere mag wohl den nachschaffenden Künstlern mehr als dem Schöpfer gegolten haben . Im Übrigen dürfte für Rudolf Groß gerade sein eindrucksvolles Elektra-Dirigat seine bald darauf erfolgte Berufung zum ersten Hofkapellmeister an das thüringische Hoftheater Altenburg bewirkt haben … Mit den Partien de r Leonor e in Fidelio, de r Gräfi n in der Hochzeit des Figaro und der Titelparti e Aid a neigt sich die Saison 1909/10 – und damit Jenny Korbs Verpflichtung – dem Ende zu. Die Kritik der Aida-Vorstellung vom 25. Mai 1910 nimmt ihren bevorstehenden Abschied zum Anlass, die „Primadonna“ noch einmal für ihre Leistung in den Grazer Jahren „vor den Vorhang zu rufen“: „[… ] Der Zufall bringt selten einen Akkord derart fein abgestimmter, konsonierender Leistungen zum Erklingen, wie in unserer „Aida“-Aufführung am letzten Mittwoch. Vor allem die Aida des Fräulein Korb. Sie verläßt uns und wir bedauern ihren Abgang . [… ] Jenny Korb ist eine jener seltenen Künstlerinnen, die nie versagen. Eine Künstlerin, die neben ihrer sieghaften Stimme und ihrem gewählten Vortrag, als bestes ein vibrierendes Temperament, ihre fesselnde Persönlichkeit in den Dienst der Sache stellen konnte. Ihre Kunst ist, von willensstarken Streben geführt, allmählich zur Höhe emporgestiegen, […] wir erlagen ihrer lebensvollen, immer restlos ausgegebenen Individualität, die immer belebte, immer fesselte. Schade um die Künstlerin.“

(Grazer Volksblatt, 27. Mai 1910, Abendausgabe, Titelseite , „Theater und Kunst – Stadttheater“) . Von Publikum und Rezensenten umjubelt verabschiedet sich Jenny Korb am 29. Mai 1910 al s Els a in Lohengrin. Ihr Abgang hinterlässt beim Grazer Publikum eine schmerzliche Leere. Noch ein Jahr danach sollte in den Grazer Zeitungen Jenny Korbs Abschied vom Grazer Opernhaus besonders bedauert werden, und ein Vergleich mit den Neubesetzungen zu ihren Gunsten ausfallen . Danach ließen sich für die Folgejahre bis dato erst wieder ab der Saison 1917/18 weitere Bühnenverpflichtungen belegen. So heißt es im Neuen 8-Uhr-Blatt vom 18. Juli 1917 (Nr. 858 Seite 3) unter dem Tite l „Vom neuen Direktor der Volksoper”, [… ] als hochdramatische Sängerin ist die bekannte Jenny Korb engagiert, sie soll – so behauptet Richard Strauss – eine der besten „Salomes” und „Elektras” sei n (ein Jahrzehnt nach Korbs Triumphen in Graz!). Wie schon mehrfach in ihrer Karriere steht auch am Beginn dieses neuen Engagements die Titelpartie vo n Aid a (7. September 1917) auf dem Programm. Noch 1917 folgen z. B. die Partie n Isolde, Santuzza, ortrud , 191

8 Valentine, Kundry, Ortrud, Brünnhil de . Am 15. September 1918 scheint sie – zwischendurch – als Besetzung de r Erste Dam e i n de r „Zauberflöte” an der Wiener Hofoper wieder auf (50. Aufführung dieser Inszenierung, eine Woche vor Ende des I. Weltkrieges) . Danach ist sie an der Wiener Volksoper in einer Reihe von weiteren Abenden zu hören, so etwa 1919 in einer Produktion von „Lohengrin” al s Ortr ud, mit dem jungen Richard Tauber al s Heerrufer , al s Rech a in Halévy s „Die Jüdin”, al s Erste Dame in der „Zauberflöte” oder 1920 al s Brünnhild e i n „Götterdämmerung” . 1921 sollte Jenny Korb als Gast an das Grazer Opernhaus zurückkehren, an dem sie ein Jahrzehnt zuvor zahllose Triumphe gefeiert hatte: al s Ai da, al s Vale ntine i n „Die Hugenotten”, al s Leonor e in „Der Troubadour

” und al s Gertrud e sowie unter dem Dirigat des jungen Clemens Kraus s

– der damals in Graz von Franz Scha lk „entdeckt” wi rd – als Ortrud in „Lohengri n”. Für die in manchen Nachschlagewerken angeführte intensive Konzerttätigkeit Jenny Korbs („[…] Aber auch als Konzertsängerin hatte sie eine bedeutende Karriere; bereits 1901 gab sie ein Konzert im holländischen Scheve ningen”) konnten bis dato nur wenig Nachweise gesichtet werd en. Zu Beginn der 1920er Jahre ist Jenny Korb – wie dem Adressbuch Lehmann zu entnehmen ist – an ihrer ursprünglichen Wiener Adresse, Wien I., Tuchlauben 11 wohnhaft und laut Telefonbuch als Gesangspädagogin tätig und dies offenbar sehr erfolgreich. Wohl einer ihrer prominentesten Schüler – wenn auch nicht aus der Musikbranche – ist der deutsche Fotograf Arthur Benda, der sich als Assistent von Dora Kallmus, die unter dem Ateliernamen d’Ora firmierte, bestens entwickelte, sodass er 1921 zunächst Teilhaber des Ateliers wurde und, nachdem Dora Kallmus 1925 ein Atelier in Paris eröffnet hatte, ab 1927 zum alleinigen Inhaber des Wiener Ateliers unter dem Namen d’Ora-Benda avancie rt. Mit ihm scheint Jenny Korb unerwartet 1930 wieder am Podium des Wiener Musiklebens auf: Am 3. April 1930 gibt Jenny Korb, bereits 61-jährig (laut „offizieller“ Angabe erst im 56. Lebensjahr) – unverändert stimmgewaltig – mit Arthur Benda, begleitet von Pianist Erich Meller, (1890-1941) im Wiener Konzerthaus / Mittlerer Saal einen vielbeachteten, bestbesuchten Liederabend mit Juwelen aus ihrer Glanzzeit: Mozar ts: Endlich naht sich die Stu nde (ita l.: Giunse alfin il momento … Deh vieni non tarda r … Die Hochzeit des Figa ro, Susa nne), Verd is: Als Sieger kehre h eim (ita l.: Ritorna vinci tor Arie der Aida), Wagne rs: Dich, teure Halle, grüß ich wie der (Arie der Elisabeth aus Tannhäuser), Puccin is: Nur der Schönheit weiht’ ich mein Le ben (ital.: Vissi d’art e … Arie / Gebet der Tosca aus Tosc a). In elf (!) Rezensionen von nicht nur Wiener Tageszeitun gen b zw. Magaz inen, sondern auch im New Yorker Her ald ernten die Protagonisten durchwegs beste Kritiken. Darüber heißt es z. B. in der Illustrierten Kronen-Zei tun g: „(Konzert Jenny Korb – Arthur Benda). Längst kennt man Jenny Korb als ausgezeichnete Sopranistin und Vortragskünstlerin; mit Arthur Benda hat sie es kürzlich im Konzerthaussaal bewiesen, daß sie auch eine ebenso vortreffliche Gesangspädagogin i st“ […] Abgesehen von der Würdigung der gesanglichen Leistung Jenny Korbs wird auch im Wiener Salonblatt auf ihre pädagogischen Meriten hingewies e n: „Konzert Jenny Korb (Sopran) – Arthur Benda (Baß). Dieses Konzert war eine angenehme Überraschung. Jenny Korbs schlagkräftiger, besonders in der Mittellage warmer und leuchtender Sopran nahm sofort gefangen. In Arien aus „Figaros Hochzeit“, „Aida“, Toska“ (sic) und „Tannhäuser“ konnte die Künstlerin nicht nur diese Eigenschaften ihrer Stimme, sondern auch eine glänzende und packende Gestaltungskraft, Temperament und technische Ausgeglichenheit zeigen. – Der Baß des Herrn Arthur Benda ist groß, besonders in der Tiefe von orgeltöniger Pracht und auch technisch gut geschu lt“ […] Bendas großer Erfolg bei diesem Konzert verschaffte ihm übrigens – wie im Wiener Salonblatt zu lesen ist – in der Folge einen Schallplattenvertrag bei Ultraphon … (Auf der zu Beginn 1931 im Handel erschienenen Schellak-Platte lassen sich übrigens vom Konzertab end Das Trinklied des Falst aff und die Arie des Osmin „nachhören”, wobei Benda im Unterschied zum Konzertabend von der prominenten Wiener Salonkape lle Max Gei ger begleitet wir d ). „[…] Auf Grund des im April vorigen Jahres stattgefun­denen Konzertes, das Arthur Benda in Wien gab, wurde der Künstler von der Deutschen Ultraphon­gesellschaft, die dem Tobis-Tonfilmkonzern ange­gliedert ist, aufgefordert, einige Grammophonplatten zu singen. Die erste dieser Platten ist nun vor kur­zem im Handel erschienen und bringt: Das Trinklied des Falstaff aus „Die lustigen Weiber von Windsor“ und die Arie des Osmin aus „Die Entführung aus dem Serail“: „Wer ein Liebchen hat ge­funden“. Die hervorragend gute Ultraphonplatte ist gewiß ein vorbildliches Material, um den prachtvollen, kultivierten Baß Arthur Bendas lebensgetreu und klangvoll zur Wie­dergabe zu bringen. Die Platte ist unter der Bestell­nummer A/3506 in allen Grammophongeschäften zu habe n.” (Wiener Salonblatt, 18. Jänner 19

31)Jenny Korb stirbt am 4. November 1937 in Wien an Herzversagen. Trotz der langen Abwesenheit Jenny Korbs von der Bühne berichten die Tageszeitungen von ihrem T od: Opernsängerin Jenny Korb gestor ben Die ehemalige Hofopernsängerin Jenny Korb, die unter der Direktion Gustav Mahlers große Sopranpartien gesungen hat, ist gestorben. In den letzten Jahren hatte sich Jenny Korb als Gesangspädagogin betäti gt. Auflistung der von Jenny Korb in ihrer Karri ere verkörperten Roll en: Eugène d’Albe rt: TIEFLAND / Mar tha Ludwig van Beethov en: FIDELIO / Leon ore Vincenzo Belli ni: NORMA / Titelpar tie Héctor Berli oz: DIE EROBERUNG VON TROJA / Kassan dra George Biz et: CARMEN / Mercé dès CARMEN / Mica ela Robert Fischh of: DER BERGKÖNIG / Ingeb org Christoph Willibald Glu ck: IPHIGENIE AUF TAURIS (Bearbeitung Richard Strauss) / Iphige nie Karl Goldma rk: HEIMCHEN AM HERD /

May KÖNIGIN VON SABA / Köni gin KÖNIGIN VON SABA / Sulam ith Charles Goun od: FAUST (MARGARETE) / Margar eteROMEO UND JULIA / Ju lia Jacques Fromen tal Halé vy: LA JUIVE / DIE JÜDIN / Rac hel Humperdin ck: HÄNSEL UND GRETEL / Gert rud Wilhelm Kien zl: EVANGELIMANN / Mar the URVASI / Ausin ari Albert Lortzi ng: UNDINE / Bertha lda Pietro Mascag ni: CAVALLERIA RUSTICANA / Santu zza Giacomo Meyerbe er: DER PROPHET / Ber tha HUGENOTTEN / Valent ine ROBERT DER TEUFEL / Al ice Wolfgang Amadé Moza rt: DIE ZAUBERFLÖTE / 1. D ame DON JUAN / Donna A nna FIGAROS HOCHZEIT / Grä fin FIGAROS HOCHZEIT / Susa nne Giacomo Pucci ni: TOSCA / Titelpar tie Anton Grigorjewit sch Rubinste in: DER DÄMON / Tam ara Richard Strau ss: ELEKTRA / Titelpar tie SALOME / Titelpar tie Giuseppe Ver di: AIDA / Titelpar tie MASKENBALL / Ama lie OTHELLO / Desdem ona TROUBADOUR / Leon ora Richard Wag ner: DER FLIEGENDE HOLLÄNDER / S enta GÖTTERDÄMMERUNG / Brünnh ilde LOHENGRIN /

Elsa LOHENGRIN / Gert rude LOHENGRIN / Or trud PARSIFAL / Ku ndry RHEINGOLD / Brünnh ilde RHEINGOLD / Fr icka RHEINGOLD / Wogl inde SIEGFRIED / Brünnh ilde SIEGFRIED / Siegl inde SIEGFRRIED / Waldv ogel TANNHÄUSER / Elisa beth TANNHÄUSER / V enus TRISTAN / Is olde WALKÜRE / Brünnh ilde WALKÜRE / Helm wige RIENZI / I rene Siegfried Wag ner: DER BÄRENHÄUTER /

Lene Adolf Wallnö fer: EDDYSTONE / Kitty Me adow Carl Maria von We ber: ABU HASSAN / Fa time DER FREISCHÜTZ / Ag athe EURYANTHE / Titelpa rtie OBERON / R ezia Autor der Biografie: Heinz P. Adamek